Dr. Angelika Kroker    Weiterbildungsveranstaltungen     Angelika.Kroker@t-online.de   


Von Pfuschern, Flickschustern und Leinewebern:
Ländliches Handwerk und Gewerbe in alter Zeit

Unsere Vorstellungen vom Leben auf dem Lande in alter Zeit werden von der Landwirtschaft dominiert. Dabei wird häufig vergessen, daß nur ein Teil der ländlichen Bevölkerung aus Bauern im eigentlichen Sinne bestand, die von ihrer selbständig betriebenen Landwirtschaft leben konnten. Die anderen Landbewohner erwarben ihren Lebensunterhalt als zuarbeitende Hilfskräfte auf den großen Höfen oder durch die verschiedensten Nebengewerbe. So waren bereits in den früheren Jahrhunderten zahlreiche Handwerke und Gewerbe auf den Dörfern zu finden.

In vielen Gebieten Deutschlands wohnte rund die Hälfte aller Gewerbetreibenden auf dem Lande. Zwar gab es hier bis ins 19. Jahrhundert hinein nur sehr wenige Bäcker und Fleischer, da sich die ländliche Bevölkerung noch weitgehend selbst mit Nahrungsmitteln versorgte. Die Müller, Schmiede und Zimmerleute, vor allem aber die Schuhmacher, Schneider und Leineweber zählten dagegen überall zu den häufigsten Berufen.

Von den Städten mit Mißtrauen bewacht und als "Pfuscher" diffamiert, stellten die ländlichen Handwerker eine bedrohliche Konkurrenz für die städtischen Zünfte und Gilden dar, da sie oftmals billigere Produkte lieferten. Die Leineweberei als bäuerliches Nebengewerbe entwickelte sich von der Selbstversorgung der Haushalte hin zur Produktion für den überregionalen Markt.

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die sich für das ländliche Handwerk und Gewerbe in alter Zeit interessieren. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.