Dr. Angelika Kroker    Weiterbildungsveranstaltungen     Angelika.Kroker@t-online.de   


Bäuerliches Leben und Wirtschaften
im niederdeutschen Hallenhaus -
Mythos und Wirklichkeit

"Die Häuser des Landmanns im Osnabrückischen sind in ihrem Plan die besten: [...] Der Herd ist fast in der Mitte des Hauses und so angelegt, dass die Frau, welche bei demselben sitzt, zu gleicher Zeit alles übersehen kann. Ein so großer und bequemer Gesichtspunkt ist in keiner andern Art von Gebäuden. Ohne vom Stuhle aufzustehen, übersieht die Wirtin zu gleicher Zeit drei Türen, [...] behält ihre Kinder und Gesinde, ihre Pferde und Kühe im Auge, hütet Keller, Boden und Kammer, spinnet immerfort und kocht dabei".

So beschrieb Justus Möser (1720-1794) in romantischer Verklärung das bäuerliche Leben und Wirtschaften im niederdeutschen Hallenhaus. Welche Realitäten - wie Kälte, Schmutz und Dunkelheit - prägten das Leben im Bauernhaus, wo Mensch und Tier unter einem Dach zusammen wohnten? Welche Funktion hatte die Aufteilung des schornsteinlosen Rauchhauses in die Diele mit den Viehunterständen, das Flett mit Herdstelle und Luchten und schließlich das Kammerfach mit Schlaf- und Wohnräumen? Wie entwickelten sich die Formen bäuerlichen Wohnens über das mittelalterliche Zweiständerhaus bis zum typischen Vierständerhaus? Wie kam es, dass die traditionsreichen Gebäude im 19. und 20. Jahrhundert mehr und mehr durch Dreiseithofanlagen ("Rübenburgen") ersetzt wurden? Wie ist die gleichzeitig einsetzende romantische Aufwertung des Hallenhauses als Symbol des niedersächsischen "Volkscharakters" einzuordnen?

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen. Es wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.