Dr. Angelika Kroker    Weiterbildungsveranstaltungen     Angelika.Kroker@t-online.de   


Vom Bauerndorf zu agrarindustriellen Standort
Dörflicher Wandel von der Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert

Die Agrarreformen des 19. Jahrhunderts, die oftmals mit den Schlagworten "Bauernbefreiung", "Verkoppelung" und "Gemeinheitsteilung" gekennzeichnet werden, veränderten die ländliche Gesellschaft von Grund auf und schufen die Voraussetzungen für die Industrialisierung.

Das Ende der Grundherrschaft war ein wichtiger Teil der Auflösung der alten ständischen Bindungen. Die Bestellung der neu zusammengelegten, großen Felder konnte auf wesentlich rationellere Weise erfolgen als vorher. Neue Anbaupflanzen wie Kartoffeln und Zuckerrüben setzten sich durch, und die Erträge wurden durch den Einsatz neuer Landtechnik und die Einführung des Mineraldüngers gesteigert.

Alle diese Neuerungen veränderten das Zusammenleben auf dem Dorfe langsam, aber stetig. Die alten patriarchalischen Familienverbände, zu denen auch das Gesinde gehört hatte, zerbrachen. Unter den neuen Verhältnissen konnte auch ein Tagelöhner in die Klasse der Besitzenden aufsteigen; sie brachten aber auch für große Höfe das Risiko des Konkurses mit sich. Neue Abhängigkeiten traten an die Stelle der alten Bindungen an Grundherren und Gemeinde: vom Staat, von den Kreditgebern und schließlich von den Preisen, die zuerst vom immer härter werdenden Markt, dann vom Staat und schließlich von der EG diktiert wurden.

Diesem Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die sich für diese Entwicklungen interessieren. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.