Dr. Angelika Kroker    Angelika.Kroker@t-online.de   


Weiterbildungsveranstaltungen
Seminare und Vorträge

für Familien- und Heimatforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker
und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger

 

 

Alle angebotenen Veranstaltungen richten sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die das "Handwerkszeug" der Historiker kennenlernen wollen.

 

Besondere Vorkenntnisse werden bei den Kursen nicht vorausgesetzt.

 

Die Veranstaltungen erfolgen in der Form von Unterrichtsgesprächen (mit Medienunterstützung) sowie in Form von Gruppenarbeit und -diskussion.

 

Als Veranstaltungsform haben sich Blockseminare am Wochenende bewährt. Die Dauer sollte 8 Unterrichtsstunden à 45 Minuten nicht unterschreiten, ggf. bis zu 10 Unterrichtsstunden (9.00 bis 17.00/18.00 Uhr am Samstag). Alternativ können die Kurse auch bereits am Freitagnachmittag/abend beginnen und/oder bis Sonntagmittag gehen. Dann bieten sich bis zu 20 Unterrichtsstunden an.

 

Ideal sind Teilnehmergruppen mit 12 bis 16 Mitgliedern. Neben einem Unterrichtsraum mit Beamer/notfalls Overheadprojektor sind für die Gruppenarbeitsphasen zwei bis drei weitere Arbeitsmöglichkeiten wünschenswert.

Das Literaturseminar in der Niedersächsischen Landesbibliothek und die Archivführung in den Staatsarchiven können nur innerhalb der Woche durchgeführt werden.

 

Einführungen in die wissenschaftsnahe historische Forschung:

 

Vom Erarbeiten und Verfassen von Ortschroniken

Es gibt viele Gründe und Ansätze, sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen, in dem man wohnt oder dem man sich verbunden fühlt. Oftmals ist ein besonderer Termin der Anlass: Ein Ortsjubiläum steht vor der Tür, zum Beispiel liegt das Datum der ersten erhalten gebliebenen urkundlichen Erwähnung des Ortsnamens 750 oder 500 Jahre zurück oder der Ort wurde vor 100 oder 50 Jahren eingemeindet.

 

Ein Einzelkämpfer oder eine Gruppe von Interessierten nimmt sich vor, zu diesem Anlass die Ortsgeschichte aufzuarbeiten. Bald ist der Entschluss gefasst: eine Orts-Chronik möchte man erstellen. Möglichst von der Urgeschichte bis hin in die jüngste Vergangenheit soll alles herausgefunden werden, was hier geschehen ist.

 

Welche Quellen stehen für eine solche ortsgeschichtliche Arbeit zur Verfügung, und wie kommt man an sie heran? Welchen Aussagewert haben mittelalterliche Urkunden und frühneuzeitliche Akten, Amtsbücher und registerförmige Quellen für die Ortsgeschichte? Was können wir aus alten Karten und Zeichnungen entnehmen? Wie arbeitet man sinnvoll mit Literatur und Zeitungsartikeln? Welche „Schätze" kann man durch die Befragung von Zeitzeugen, durch das Ausfindigmachen von Fotografien und privaten Archiven heben?

 

Welcher Arbeitsaufwand ist mit einem solchen Projekt verbunden? Ist das Erreichen des gesteckten Ziels realistisch? Sollte man sich eventuell auf einige, für den Ort besonders charakteristische Schwerpunkte beschränken? Kann die Veröffentlichung von Teilergebnissen sinnvoll sein oder sollte man warten, bis wirklich jede Einzelheit erforscht ist?

 

Und nicht zuletzt: Wie baut man eine ortsgeschichtliche Darstellung auf? Welche Gliederung ist sinnvoll? Wie schreibt man verständlich und lebendig, wie setzt man Skizzen, Karten, Darstellungen und Fotos ein, damit die nicht nur die Autoren, sondern auch die interessierten Ortsbewohner Spaß daran haben?

 

Diesen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Vorstellungen und Bedürfnisse, in diesem Seminar nachgehen. Bei Interesse besteht die Möglichkeit, einzelne Themen in weiteren Seminaren zu vertiefen.

 

 

Einführung in die Schrift-, Quellen- und Archivkunde

Die Arbeit im Archiv, vor allem das Lesen und Interpretieren von Originalquellen, gehört zu den interessantesten, aber auch zu den schwierigsten Aufgaben, die beim Erarbeiten einer Orts-Chronik oder anderer lokal- oder familienhistorischen Studien zu bewältigen sind. Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die das „Handwerkszeug" der Historiker kennenlernen wollen. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Welche Hilfsmittel gibt es für das Lesen der alten Handschriften, das Übersetzen lateinischer und mittelhochdeutscher Texte bzw. heute nicht mehr gebräuchlicher Ausdrücke?

 

Welche Arten von Quellen stehen für die ortsgeschichtliche Arbeit zur Verfügung, wo sind diese zu finden, und wie sind sie sinnreich zu nutzen? Wie ermittelt man die für den Orts-Chronisten zuständigen Archive, und wie ist ein solches „Gedächtnis des Staates" organisiert? Wie nutzt man effektiv die in den Archiven vorhandenen Findmittel, vor allem Bestandsübersichten und Findbücher? Wie geht man sinnvoll um mit den beiden wichtigsten Ordnungsprinzipien Provenienz (nach dem Herkommen) oder Pertinenz (nach der sachlichen Zugehörigkeit)?

 

Wie erkennt und unterscheidet man Urkunden und Amtsbücher, Protokolle und Gerichtsakten, Eingabe und Reskript, Konzept, Ausfertigung und Abschrift? Welche Bedeutung haben Stempelmarke und Präsentationsvermerk, Eingangs- und Ablagenummer?

 

Welche Besonderheiten sind bei der Interpretation von Chroniken und Lebenserinnerungen zu beachten, und wie unterscheiden sich diese von den schriftlichen Überresten aus dem Geschäftsgang staatlicher Verwaltungen und Behörden? Ist einer Quelle unmittelbar zu entnehmen, wie es früher war?

 

Diese und andere Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Vorstellungen und Bedürfnisse, in diesem Seminar diskutieren. Einen Schwerpunkt wird dabei die praktische Arbeit an ausgewählten Quellentexten bilden.

 

 

Ein Tag im Niedersächsischen Staatsarchiv in [***]

Die niedersächsischen Staatsarchive bilden das „Gedächtnis des Staates" und bieten reiches Quellenmaterial für historische Forschungen aller Art.

 

Dieses Seminar ist für Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger im Raum [***] und angrenzenden Gebieten konzipiert. Seinen Schwerpunkt bildet die Vertiefung der Kenntnisse in der Archivarbeit durch einen gemeinsamen Besuch im Niedersächsischen Staatsarchiv in [***]. Geplant ist die Kombination aus einer Archivführung und der Einführung in die praktischen Arbeitsmöglichkeiten im Archiv. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Wie nutzt man effektiv die in den Archiven vorhandenen Findmittel, vor allem Bestandsübersichten und Findbücher? Welche Arten von Quellen stehen für die ortsgeschichtliche Arbeit zur Verfügung, wo sind diese zu finden, und wie sind sie sinnreich zu nutzen? Diese und andere Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Vorstellungen und Bedürfnisse, in diesem Seminar erörtern.

 

Um die Recherche vor Ort kennenzulernen, findet die Veranstaltung im Niedersächsischen Staatsarchiv in [***, Adresse] statt.

 

Termin: [nur Wochentage Montag-Freitag]

 

Tagesverpflegung sollte mitgenommen werden. Entgelt für die Archivführung (etwa EUR 2,50) ist vor Ort zu entrichten.

 

*** einzusetzen ist hier das zuständige Staatsarchiv und die Region (Landkreis o. ä.), in der die Veranstaltung stattfindet

 

 

Fachliteratur für Familien- und Heimatforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker:
Ermitteln und Beschaffen in der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover

Archivarbeit allein genügt nicht - diese Erkenntnis drängt sich allen auf, die sich längere Zeit mit der Geschichte ihres Ortes, ihrer Familie oder ihrer Region beschäftigen. Viele Fragen müssen offen bleiben, wenn wir uns lediglich mit den Quellen beschäftigen. Ohne zusätzliche Informationen bleiben viele Überlieferungen unverständlich; erst die Kenntnis größerer Zusammenhänge und der Vergleich mit anderen Orten erlaubt es, unsere regionalen Besonderheiten richtig einzuschätzen. Daher ist es nötig, über das vertraute Heimatbuch hinaus Fachliteratur zu ermitteln und zu beschaffen. Die „erste Adresse" hierfür ist die Niedersächsische Landesbibliothek in Hannover.

 

In dieser zentralen Bibliothek finden wir die einschlägigen Handbücher und Zeitschriften zur Geschichte Niedersachsens und seiner historischen Landesteile, die Werke zur Urgeschichte und die Urkundenbücher, die Karten und Atlanten, die Kreisbeschreibungen und Heimatchroniken, die Fachliteratur zur Agrargeschichte und zur Entwicklung der Siedlungen, Nachschlagewerke aller Art und vieles mehr.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die das „Handwerkszeug" der Historiker kennenlernen wollen. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Welche Arbeitsmöglichkeiten bietet die Niedersächsische Landesbibliothek mit ihren Lesesälen und Freihandbereichen, ihren Katalogen, Bibliographien und Verzeichnissen? Wie spürt man die über den eigenen Ort eventuell bereits hier und da erschienenen Arbeiten auf? Wie ermittelt und bestellt man die interessanten Veröffentlichungen der Fachliteratur, auch per Fernleihe vom Heimatort aus?

 

Diesen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Anliegen und Bedürfnisse, in diesem Seminar „vor Ort" nachgehen. Wir treffen uns am

 

[wochentags] um 9.00 Uhr im Eingangsbereich der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover, Waterloostraße 8 (Nähe Schützenplatz).

 

Das Seminar wird um 18.00 Uhr (Schließung der Bibliothek) beendet sein.

 

 

 

Einführungen in grundlegende historische Themen:

 

Vom Sachsenstamm zum Lande Niedersachsen
Einführung in die Geschichte Niedersachsens

Vom Sachsenstamm zum Lande Niedersachsen - so einfach entwickelte sich die Geschichte nie. Will man orts- und familiengeschichtliche Arbeit in größere Zusammenhänge richtig einordnen, muss man die Grundzüge der niedersächsischen Landesgeschichte kennen.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. In ihm werden wichtige Phasen der Geschichte des nordwestdeutschen Raumes vom Mittelalter bis zur Neuzeit vorgestellt und erläutert. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Welche Bedeutung hatten die Stammesverbände der Friesen und Sachsen für die frühe nordwestdeutsche Geschichte? Wie gelangten die Welfen zu ihrer wachsenden Bedeutung, und wie setzte sich der hannoversche Zweig der Familiendynastie bei der Territorienbildung letztendlich durch? Wie entwickelten sich nach 1815 das Königreich Hannover, das Herzogtum Oldenburg, das Herzogtum Braunschweig und das Fürstentum Schaumburg-Lippe? Wie kam es dazu, dass aus diesen deutschen Ländern schließlich das 1946 neu gegründete Bundesland Niedersachsen wurde? Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Bedürfnisse, in diesem Seminar nachgehen.

 

Nur Ackerbau und Viehzucht?
Einführung in die niedersächsische Wirtschaftsgeschichte

In den vergangenen Jahrhunderten entwickelten sich in Nordwestdeutschland wirtschaftliche und soziale Strukturen, die noch heute die Gestalt des Bundeslandes Niedersachsen prägen. Schon das Naturpotential wies dem niedersächsischen Raum eine in erster Linie landwirtschaftliche Funktion zu. Bereits früh gab es in Nordwestdeutschland weniger Gewerbe und Handel als in Mittel- und Oberdeutschland.

 

Welche Folgen für die weitere Entwicklung hatte es, dass man hier erst spät engere Verbindungen zum germanisch-römischen, westeuropäischen Kulturkreis, also zu den ökonomisch höher entwickelten Gebieten West- und Südeuropas gewann? Welche Bedeutung hatten die Bodenschätze, insbesondere die Erze des Rammelsberges und das Salz Lüneburgs? Wie kam es zur Dominanz der mittelbäuerlichen Betriebe auf dem Land und des Handwerkerbürgertums in den eher kleinen Städten? Warum blieben die im Mittelalter geprägten Wirtschaftsregionen Niedersachsens während der frühen Neuzeit und bis ins 19. und 20. Jahrhundert so beharrlich bestehen?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Bedürfnisse, in diesem Seminar nachgehen. Es ist für regional-, heimat- und familiengeschichtlich interessierte Bürger konzipiert, die sich mit den Grundzügen der niedersächsischen Wirtschaftsgeschichte vertraut machen möchten.

 

 

Das alte Dorf:
Strukturen ländlichen Lebens in Niedersachsen vor 1800

Seit dem Spätmittelalter entwickelte sich in den Dörfern des nordwestdeutschen Raums eine spezifische Lebens- und Wirtschaftsform, die oft mit den Schlagworten „Grundherrschaft" und „Meierrecht" gekennzeichnet wird. Diese über Jahrhunderte bewährte und weiterentwickelte Form der Agrarverfassung wurde erst durch die durchgreifenden Reformen des 19. Jahrhunderts abgelöst.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Welche Abhängigkeiten bestimmten das Leben der ländlichen Bevölkerung im Zeichen der Grund-, Guts- und Leibherrschaft? Welche Dienste und Abgaben mussten die Bauern an ihren Grundherrn leisten? Welche Rechte schützten sie gegen die Vertreibung vom Hof (Abmeierung)? Welche Freiheiten ergaben sich durch die Bauernschutzpolitik der Landesherren, und wie teuer wurden sie durch Steuern, Zinse und Zehnten erkauft?

 

Welche Bedeutung hatte die Einteilung der bäuerlichen Bevölkerung in die verschiedenen Bauernklassen (Meier, Kötner, Brinksitzer, An- und Abbauer)? Wie unterschieden sich die Vermögens- und Lebensverhältnisse der Großbauern von denen der Kleinstellenbesitzer, die auf zusätzliche Einnahmen durch Tagelohn, gewerbliche Heimarbeit (z.B. Weberei) oder ländliches Handwerk angewiesen waren? Welche Chancen hatten Gesinde und Häuslinge, Hirten und Bettler?

 

Wie „frei" waren die Familien bei der Regelung des Erbrechts und der Eheschließungen, der Hofübergabe und der Altenteilerversorgung? Was wurde aus den nichterbenden Geschwistern, und welche Probleme ergaben sich beim Tod eines Ehepartners?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen.

 

 

Das alte Dorf:
Hof und Acker, Wald und Weide in Niedersachsen vor 1800

Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Bild unserer niedersächsischen Dörfer durch die althergebrachten Formen des bäuerlichen Wirtschaftens geprägt. Vorherrschend waren ländliche Siedlungen mit einigen wenigen Hofstellen. Die Drei- oder Mehrfelderwirtschaft mit ihrem Wechsel von Getreideanbau und Brache bestimmte das Aussehen der Feldmark. Teilweise ausgedehnte landwirtschaftliche Ergänzungsflächen wie Wald- und Heideflächen, Wiesen und Änger waren zum Überleben unabdingbar.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Welche Entwicklungen kennzeichneten die Entwicklung der niedersächsischen Siedlungen? Wie teilte sich die Dorfmark auf in Hofstellen und Gärten, Ackerflur und Wiesen, Änger, Heide und Holzungen?

 

Wie bearbeiteten die Bauern die Vielzahl kleiner und kleinster in der Gemarkung verstreuter Ackerparzellen? Welche Einschränkungen ergaben sich durch die aus der Gemengelage der Feldparzellen resultierende abgestimmte Bewirtschaftung der Felder (Flurzwang)?

 

Welche Probleme ergaben sich aus der genossenschaftlichen Nutzung der landwirtschaftlichen Ergänzungsflächen (Gemeinheiten oder Allmenden)?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen.

 

 

Die Agrarreformen des 19. Jahrhunderts:
Bauernbefreiung, Gemeinheitsteilung und Verkoppelung

Viele Jahrhunderte lang waren die Bauern in Nordwestdeutschland in ihrer selbständigen Wirtschaftsführung erheblich eingeschränkt. Durch die meierrechtlichen Bindungen an den Grundherren waren die Höfe mit Abgaben aller Art sowie Hand- und Spanndiensten belastet. Der durch die Gemengelage der Flurstücke bedingte Flurzwang hinderte die Landwirte z.B. an der Einführung neuer Feldfrüchte. Die landwirtschaftlichen Ergänzungsflächen wie Wald, Heide und Weide wurden von den Berechtigten im Dorf gemeinsam genutzt (Gemeinheit, Allmende) und oftmals unzureichend gepflegt.

 

Am Ende des 18. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung sprunghaft an. Die Französische Revolution brandmarkte Leibeigenschaft und Dienstbarkeit als Sklaverei. Unter dem Eindruck von Erntekrisen und Hungersnöten forderten auch die „gebildeten Stände" eine rationellere Landwirtschaft.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

Wie kam es zu den Gesetzen, die die Ablösung der bäuerlichen Abhängigkeiten regelten? Welchen Einfluss hatten die Organisationen wie die „Celler Landwirtschaftsgesellschaft" auf die Reformen im Landbau? Welche Impulse gingen von den Betroffenen selbst, also den Bauern aus?

 

Wie wurden die einzelnen Abgaben- und Dienstverpflichtungen abgegolten? Welche finanziellen Belastungen hatten die bäuerlichen Betriebe hierdurch zu tragen?

 

Wie wurden die bisher genossenschaftlich genutzten Flächen auf die bisherigen Nutzungsberechtigten aufgeteilt? Wer waren die Gewinner, wer die Verlierer bei dieser Umgestaltung? Wie wurden die zuvor in der Flur des Dorfes verstreuten Besitzpartikel der einzelnen Höfe zusammengefasst („verkoppelt")? Welche Auswirkungen hatte die nunmehr individuelle Nutzung der Feldmark auf das soziale Gefüge im Dorf?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen.

 

 

Abschied vom alten Dorf?
Ländlicher Wandel zwischen Bauernbefreiung und Wirtschaftswunder (etwa 1850-1950)

Die Agrarreformen des 19. Jahrhunderts, die oftmals mit den Schlagworten „Bauernbefreiung", „Verkoppelung" und „Gemeinheitsteilung" gekennzeichnet werden, veränderten die ländliche Gesellschaft von Grund auf und schufen die Voraussetzungen für die Industrialisierung.

 

Das Ende der Grundherrschaft war ein wichtiger Teil der Auflösung der alten ständischen Bindungen. Die Bestellung der neu zusammengelegten, großen Felder konnte auf wesentlich rationellere Weise erfolgen als vorher. Neue Anbaupflanzen wie Kartoffeln und Zuckerrüben setzten sich durch, und die Erträge wurden durch den Einsatz neuer Landtechnik und die Einführung des Mineraldüngers gesteigert.

 

Alle diese Neuerungen veränderten das Zusammenleben auf dem Dorfe langsam, aber stetig. Die alten patriarchalischen Familienverbände, zu denen auch das Gesinde gehört hatte, zerbrachen. Unter den neuen Verhältnissen konnte auch ein Tagelöhner in die Klasse der Besitzenden aufsteigen; sie brachten aber auch für große Höfe das Risiko des Konkurses mit sich. Neue Abhängigkeiten traten an die Stelle der alten Bindungen an Grundherren und Gemeinde: vom Staat, von den Kreditgebern und schließlich von den Preisen, die zuerst vom immer härter werdenden Markt, dann vom Staat und schließlich von der EG diktiert wurden.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die sich für diese Entwicklungen interessieren. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

 

Adel, Gutswirtschaft und Politik: Die niedersächsischen Rittergüter

Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb der Rittergutsbesitz auf dem Gebiet der welfischen Territorien – zuletzt Königreich bzw. preußische Provinz Hannover – die Domäne des einheimischen Uradels. Im Adel Hannovers dominierte der Typus des landsässigen Gutsbesitzers. Hierzu werden alle adligen Familien gerechnet, die mindestens ein landtagfähiges Gut besaßen und damit die wichtigste Zugangsvoraussetzung zu den ritterschaftlichen Korporationen erfüllten.

 

In Niedersachsen hatten die Landstände aufgrund der chronischen Geldnot und der über ein Jahrhundert andauernden Abwesenheit der Herrscher eine starke Position behaupten können. Die Rittergutsbesitzer genossen weitreichende Vorrechte, die ihnen ein besonderes Sozialprestige verliehen, und dazu bedeutende ökonomische Vorteile.

 

Welche Voraussetzungen musste ein Landgut erfüllen, um als Rittergut zu gelten? Welche Vorrechte genossen die Rittergutsbesitzer, und welche Verpflichtungen oblagen ihnen dafür? Wie bewirtschafteten die Rittergutsbesitzer ihre Güter? Und nicht zuletzt: Welche Konsequenzen hatten ihre Privilegien für die anderen Landbewohner, die Bauern, Gewerbetreibenden und Landarbeiter?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen. Es wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle an den Themen Adel und Gutswirtschaft interessierten Bürgerinnen und Bürger.

 

 

Fürst, Baronesse und von und zu. Ausprägung und Wandel adligen Lebens in Niedersachsen

Mit dem Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung am 11. August 1919 wurden alle Vorrechte der Adligen beseitigt. Seitdem ist der Adel rechtlich als privilegierter gesellschaftlicher Stand in Deutschland abgeschafft. Das am historischen Adelsbegriff orientierte Selbstverständnis der Adelsverbände und ihrer Angehörigen sowie eine entsprechende Berichterstattung – vor allem in der Regenbogenpresse – bewirken jedoch, dass „der Adel“ in weiten Kreisen der Bevölkerung als fortbestehende soziale Gruppierung wahrgenommen wird. Noch immer ist von „Fürstin Gloria“ und „Prinz Ernst August“ die Rede, und auch die dörfliche Bevölkerung nennt ihren ortsansässigen Rittergutsbesitzer wie selbstverständlich den „Herrn Baron“.

 

Was wissen wir über die Entstehung des Adels, verstanden als vererbbare Herrschaft über Menschen? Wie ist es zu erklären, dass es – nach den uns zur Verfügung stehenden Quellen – niemals eine egalitäre Gesellschaft gegeben hat? Wie differenzierte sich das System des Adels in die einzelnen Adelsränge aus?

 

Welche Macht hatten Herzöge und Fürsten, Grafen und Freiherren, und wodurch unterschieden sich zum Beispiel Edelfreie und Ministeriale, Uradel, Briefadel und Schwertadel?

 

Welche politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung hatte der Adel bis ins 19 Jahrhundert, und wie kam es danach zur allmählichen Beseitigung seiner Vorrechte? Wie bewältigten die ehemals Privilegierten das Ende des Feudalismus, und welche Rolle spielten sie in der krisenhaften Geschichte des 20. Jahrhunderts? Diesen und anderen Fragen werden wir – stets unter besonderer Berücksichtigung des niedersächsischen landsässigen Adels – in diesem Seminar nachgehen.

 

 

Bäuerliches Leben und Wirtschaften im niederdeutschen Hallenhaus:
Mythos und Wirklichkeit

„Die Häuser des Landmanns im Osnabrückischen sind in ihrem Plan die besten: [...] Der Herd ist fast in der Mitte des Hauses und so angelegt, dass die Frau, welche bei demselben sitzt, zu gleicher Zeit alles übersehen kann. Ein so großer und bequemer Gesichtspunkt ist in keiner andern Art von Gebäuden. Ohne vom Stuhle aufzustehen, übersieht die Wirtin zu gleicher Zeit drei Türen, [...] behält ihre Kinder und Gesinde, ihre Pferde und Kühe im Auge, hütet Keller, Boden und Kammer, spinnet immerfort und kocht dabei".

 

So beschrieb Justus Möser (1720-1794) in romantischer Verklärung das bäuerliche Leben und Wirtschaften im niederdeutschen Hallenhaus. Welche Realitäten - wie Kälte, Schmutz und Dunkelheit - prägten das Leben im Bauernhaus, wo Mensch und Tier unter einem Dach zusammen wohnten? Welche Funktion hatte die Aufteilung des schornsteinlosen Rauchhauses in die Diele mit den Viehunterständen, das Flett mit Herdstelle und Luchten und schließlich das Kammerfach mit Schlaf- und Wohnräumen? Wie entwickelten sich die Formen bäuerlichen Wohnens über das mittelalterliche Zweiständerhaus bis zum typischen Vierständerhaus? Wie kam es, dass die traditionsreichen Gebäude im 19. und 20. Jahrhundert mehr und mehr durch Dreiseithofanlagen („Rübenburgen") ersetzt wurden? Wie ist die gleichzeitig einsetzende romantische Aufwertung des Hallenhauses als Symbol des niedersächsischen „Volkscharakters" einzuordnen?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen. Es wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

 

Von Pfuschern, Flickschustern und Leinewebern:
Ländliches Handwerk und Gewerbe in alter Zeit

Unsere Vorstellungen vom Leben auf dem Lande in alter Zeit werden von der Landwirtschaft dominiert. Dabei wird häufig vergessen, dass nur ein Teil der ländlichen Bevölkerung aus Bauern im eigentlichen Sinne bestand, die von ihrer selbständig betriebenen Landwirtschaft leben konnten. Die anderen Landbewohner erwarben ihren Lebensunterhalt als zuarbeitende Hilfskräfte auf den großen Höfen oder durch die verschiedensten Nebengewerbe. So waren bereits in den früheren Jahrhunderten zahlreiche Handwerke und Gewerbe auf den Dörfern zu finden.

 

In vielen Gebieten Deutschlands wohnte rund die Hälfte aller Gewerbetreibenden auf dem Lande. Zwar gab es hier bis ins 19. Jahrhundert hinein nur sehr wenige Bäcker und Fleischer, da sich die ländliche Bevölkerung noch weitgehend selbst mit Nahrungsmitteln versorgte. Die Müller, Schmiede und Zimmerleute, vor allem aber die Schuhmacher, Schneider und Leineweber zählten dagegen überall zu den häufigsten Berufen.

 

Von den Städten mit Misstrauen bewacht und als „Pfuscher" diffamiert, stellten die ländlichen Handwerker eine bedrohliche Konkurrenz für die städtischen Zünfte und Gilden dar, da sie oftmals billigere Produkte lieferten. Die Leineweberei als bäuerliches Nebengewerbe entwickelte sich von der Selbstversorgung der Haushalte hin zur Produktion für den überregionalen Markt.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die sich für das ländliche Handwerk und Gewerbe in alter Zeit interessieren. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

 

Vom armen Dorfschulmeisterlein und seinen Schülern.
Ländliches Schulwesen in alter Zeit

„Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss“, so reimte Wilhelm Busch. Seit der Reformation wurden in Stadt und Land Schulen gegründet; bis ins 19. Jahrhundert wurden den Kindern in diesen Einrichtungen jedoch selten mehr als Grundkenntnisse in der Religion, im Lesen und im Schreiben vermittelt.

 

Dieses Seminar wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die sich dafür interessieren, wie sich das ländliche Schulwesen nach diesen bescheidenen Anfängen entwickelte.

 

 

„Ein besseres Los ...“?
Ursachen, Verlauf und Auswirkungen der Auswanderungen aus Niedersachsen nach Übersee im 19. Jahrhundert

Ein besseres Leben in Amerika – dieser Traum hat im 19. Jahrhundert mehr als 400.000 Menschen dazu bewogen, ihre niedersächsische Heimat zu verlassen. Anlass hierfür waren tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Veränderungsprozesse, die die traditionellen Lebenswelten breiter Bevölkerungskreise bedrohten.

 

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war die Anzahl der „kleinen Leute“ in Stadt und Land stetig angestiegen. Das daraus resultierende Missverhältnis von Arbeitskräften und Beschäftigungsmöglichkeiten führte zum „Pauperismus“, das heißt zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. Bevor diese Krise im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch die gelungene Umwandlung der Agrar- zur Industriegesellschaft gelöst werden konnte, bildete die Auswanderung ein willkommenes Ventil zur Minderung des Bevölkerungsdrucks. Sie wurde zu einer Selbstbehauptungsstrategie, mit der die Auswandernden ihre persönliche Situation zu verbessern suchten.

 

Welche persönlichen, religiösen, politischen und wirtschaftlichen Gründe ließen bei den Menschen den Entschluss reifen, in Übersee ihr Glück zu versuchen? Welche Bedeutung hatten die Briefe bereits ausgewanderter Verwandten und Bekannten, und wie wirkte die gezielte Werbung der Auswanderungs-Agenturen? Wie griff die Obrigkeit in den Auswanderungsprozess ein, und welche Spuren haben die Auswanderer in den Archivakten hinterlassen? Welche Folgen hatte die Massenauswanderung in den Herkunftsgebieten?

 

Diesen und anderen Fragen wollen wir, eingehend auf Ihre Interessen und Fragestellungen, in diesem Seminar nachgehen. Es wendet sich an Heimat- und Familienforscher, Gästeführerinnen, Regional- und Lokalhistoriker und alle historisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

 

 

Frauen in der Ortsgeschichte: Die weibliche Seite der Wirklichkeit in Dorf und Stadt

In der traditionellen Ortsgeschichte ist die Erforschung der Geschichte von Frauen noch immer unterbelichtet. Der Blick auf die weibliche Seite der Geschichte in der Region ist jedoch unentbehrlich, will man das Leben in Stadt und Land richtig verstehen. Wie hätte es wohl auf unseren Bauernhöfen und bei den Handwerkern ohne die Arbeit der Frauen ausgesehen?

 

Die seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts etablierte Frauenforschung verfolgte zunächst das Anliegen, bis dahin bestehenden Defizite aufzuarbeiten. Es ging darum, Frauen und deren Lebenswirklichkeit in Geschichte und Gegenwart stärker als zuvor zu berücksichtigen und sichtbar zu machen. Heute interessieren wir uns mehr die für Frage des historischen Verhältnisses der Geschlechter zueinander.

 

In diesem Seminar wird die Geschichte der Frauen- und Geschlechterforschung erläutert und ein Überblick über deren wichtigste Ergebnisse geliefert. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie wir den Frauen in Stadt und Land auf die Spur kommen können. Neben dem Erschließen von neuen Quellenbeständen kann es dabei auch nötig sein, bekannte Überlieferungen neu zu interpretieren.

 

 

Von Liebe sprach damals niemand
Frauenschicksale und Familienalltag in der Kriegs- und Nachkriegszeit

Der Zweite Weltkrieg brachte für die Familien und insbesondere für die Frauen nie gekannte Herausforderungen mit sich. Kriegsdienst und Gefangenschaft der Männer, Flucht und Evakuierung der Frauen verstreuten die Menschen über ganz Europa und machten ein Ehe- und Familienleben über Jahre hinweg unmöglich.

 

Unter Schwierigkeiten und mit großen Hoffnungen fand man sich schließlich wieder. Die lange Trennung hatte jedoch viele Ehepaare völlig entfremdet. Für die Kinder war es oft schwer, sich an den heimgekehrten, ganz oder fast unbekannten Vater zu gewöhnen. Eine große Anzahl Frauen hatten ihre Familienangehörigen, Verlobten oder Ehemänner verloren und mussten die harten Zeiten allein oder mit ihren Kindern bewältigen, und zwar angesichts widrigster Umstände, wie Wohnungsnot, Kälte und Hunger.

 

In diesem Seminar wollen wir die Schicksale von Familien und besonders von Frauen anhand von Lebensberichten erkunden. Damit könnte die Veranstaltung Anregungen dazu bieten, mit Hilfe von Zeitzeugenberichten die verborgene Geschichte dieser Jahre (etwa 1940 bis 1955) in der Region aufzuspüren.

 

Nationalsozialismus und Ortsgeschichte: Dörfer unterm Hakenkreuz

 

Die Zeit des Nationalsozialismus stellt einen außerordentlich wichtigen Abschnitt der jüngeren Geschichte dar. Im krassen Gegensatz zur Bedeutung dieser Epoche stehen jedoch Art und Umfang ihrer Behandlung in der Mehrzahl der erarbeiteten Chroniken. Oftmals beschränken sich die Ortschronisten zum Beispiel auf die Wiedergabe der Namen der Gefallenen auf dem örtlichen Kriegerdenkmal.

 

Die Vernachlässigung der NS-Zeit in den Ortsgeschichten ist besonders bedauerlich, da den Ortschronisten neben der Heranziehung von schriftlichen Quellen häufig auch die Befragung von Zeitzeugen möglich war, an die professionelle Historiker kaum herankommen.

 

Welche Grundlinien kennzeichneten Entfaltung des nationalsozialistischen Regimes von den Anfängen bis zum Ende? Welche Auswirkungen hatte die Politik des NS-Staates in den Dörfern und Gemeinden in Niedersachsen? Welche Entwicklungen sind insbesondere für ländliche Ortschaften in dieser Epoche charakteristisch? Wie finden wir im Ort und in den Archiven schriftliche Quellen über die NS-Zeit? Wie ermitteln und befragen wir Zeitzeugen, und wie gehen wir mit den oftmals einseitig gefärbten Erlebnisberichten um? Sollten wir uns darauf beschränken, die Quellen sprechen zu lassen, oder muss es uns vor allem darum gehen, eine Diskussion anzustoßen?

 

Diese und andere Fragen werden wir, eingehend auf Ihre Interessen und Bedürfnisse, in diesem Seminar behandeln.

 

 

 

Seminare mit Exkursion

„Ehrgeiz, Luxus und Fortune":
Spuren des Aufstieg der Welfen in der ehemaligen Residenzstadt Hannover

1636 entschloss sich Georg von Calenberg, seine nahe Pattensen gelegene Feste zu verlassen nunmehr die Stadt Hannover zum Herrschaftssitz zu nehmen - gegen den erbitterten Widerstand der städtischen Obrigkeit und der Bürger. Seitdem entwickelte sich Hannover zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum, vor allem unter Kurfürst Ernst August und seiner kunstliebenden Frau Sophie.

 

Der Umzug Georgs nach Hannover war Ausdruck der frühneuzeitlichen welfischen Expansion. Letztendlich setzte sich der hannoversche Zweig der Familiendynastie bei der Territorienbildung durch und legte damit die Grundlagen für die Entstehung des Königreichs Hannover im 19. Jahrhundert und die wichtige Rolle dieses Landesteils im heutigen Bundesland Niedersachsen.

 

Im Mittelpunkt der Exkursion nach Hannover steht der durch Ehrgeiz, Luxus und Fortune geprägte Aufstieg der hannoverschen Welfen. Im Historischen Museum und in den Herrenhäuser Gärten werden wir den Spuren herrschaftlicher Macht und barocker Prachtentfaltung in der ehemaligen Residenzstadt nachgehen.

 

 

Was ist eine Stadt? Das Beispiel der alten Reichsstadt Goslar

 

Am Beispiel der alten Reichsstadt Goslar wollen wir uns vor Augen führen, wo und warum Städte entstanden sind, welche äußeren Kennzeichen und innere Strukturen eine Stadt charakterisieren, welche Bedeutung die Städte in der Geschichte hatten und was sie zum Beispiel von ländlichen Gemeinwesen unterschied.

 

 

Die Stadt Goslar und die deutsche Reichsgeschichte

Die Stadt Goslar - einzige freie Reichsstadt auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen - bietet hervorragende Möglichkeiten, historisch interessierte Bürgerinnen und Bürger am Beispiel der mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadthistorie in Grundstrukturen der deutschen Geschichte einzuführen.

 

Das von den Katastrophen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts verschont gebliebene, reizvolle Stadtbild weist nicht nur bedeutende sakrale und profane Bauten aus dem Mittelalter auf, sondern auch ein nahezu geschlossenes Ensemble von über 1800 überwiegend frühneuzeitlichen Fachwerkhäusern. Damit spiegelt die Stadtgestalt eindrucksvoll wesentliche Epochen der deutschen Geschichte wider:

 

In der Epoche des Hochmittelalters nahm Niedersachsen im neu entstehenden - ersten -Deutschen Reich eine wichtige Rolle ein. 919 wurde Heinrich, ein Liudolfinger, zum deutschen König gewählt, und ein Jahrhundert lang prägte das sächsische oder ottonische Königshaus die deutsche Politik. Die Kaiserpfalzen wurden Zentren der Reichspolitik; Goslar war eine davon. Diese Rolle verdankte die verkehrsgünstig gelegene Siedlung am Harzrand in erster Linie dem Rammelsberger Bergwerk, in dem u.a. das edle Münzmetall Silber gefördert wurde. Von den zahlreichen viele Kaiseraufenthalten in der Harzrandstadt zeugt noch heute der Goslarer Pfalzbezirk mit seinem beeindruckenden Kaiserhaus. Die Verbindungen zum Machtzentrum des Reichs brachen ab, als die Salier die Ottonen ablösten.

 

Die der Kaiserzeit folgenden drei Jahrhunderte von der Mitte des 13. bis 1552 waren die Blütezeit des bürgerlichen Goslar. Die Stadt erlangte den privilegierten Status der Reichsfreiheit. Wirtschaftliche Grundlage des Aufstiegs der Stadt war der Bergbau am Rammelsberg. Die hier erzielten Gewinne dieser Epoche spiegeln sich in den prachtvollen öffentlichen und privaten Bauten. Rathaus und Stadtbefestigung, Gilde- und Bürgerhäuser legen noch heute Zeugnis von dem Reichtum ab, der damals das Gesicht Goslars prägte.

 

In der Frühen Neuzeit erlitten die Städte durch das Erstarken der Territorialstaaten einen erheblichen Bedeutungsverlust. Die Stadt Goslar musste 1552 fast alle Rechte am Rammelsberg an Heinrich den Jüngeren Herzog von Braunschweig-Lüneburg, abgeben. Die Gewinne aus dem Bergbau am Rammelsberg flossen nun nicht mehr in die Kassen der Stadt, sondern nach Braunschweig. Dennoch fanden noch immer viele Goslarer Arbeit und Brot im Bergwerk. Die Stadt nahm weiterhin eine wichtige Mittlerfunktion zwischen den neu entstehenden Bergbauzentren im Oberharz und dem Vorland ein. Jedoch gab es neben der offensichtlichen Ebbe in den städtischen Kassen noch immer bürgerlichen Reichtum in Goslar. Der Großteil der heute das Stadtbild prägenden Fachwerkhäuser sind in dieser Epoche entstanden. Mit dem Ende des Alten Reiches durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 war die Epoche der Freien Reichsstädte endgültig vorbei. Goslar fiel 1815 an das Königreich Hannover und wurde mit diesem 1866 zur preußischen Provinz.

 

In der zweiten Hälfte des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fand Goslar ganz allmählich Anschluss an die neue, von der Industrie geprägte Zeit. Die Eisenbahn erreichte 1865 von Nordosten, später auch von Norden und Westen die Stadt. Nachdem der preußische König 1871 in Versailles zum deutschen Kaiser Wilhelm I. proklamiert worden war, entdeckte man in der alten Kaiserpfalz eine hervorragende Möglichkeiten, das neue Kaisertum in die Tradition des mittelalterlichen zu stellen und gleichsam historisch zu legitimieren. In einer vom Historismus und einem starken, aber unkritischen Geschichtsbewusstsein geprägten Epoche erregte Goslars Stadtbild bei vielen, durch die Eisenbahn mobil gewordenen Zeitgenossen großes Interesse. In der Zeit des Nationalsozialismus trug Goslar den zweifelhaften Ehrentitel „Reichsbauernstadt".

 

Heute leben in der Altstadt, den Neubauvierteln und den eingemeindeten Ortsteilen rund 50.000 Menschen. Die Gewerbestruktur ist relativ breit gefächert und reicht von Handel und Verwaltung über die Textil- bis zur „traditionellen" chemischen Industrie und Metallverhüttung. Ungebrochen fließt der Touristenstrom zu den historischen Stätten in der aufwendig sanierten Altstadt sowie in den 1972 eingemeindeten Kur- und Wintersportort Hahnenklee-Bockswiese. Von der Aufhebung der innerdeutschen Grenze und der Wiedervereinigung wurde Goslar unmittelbar betroffen. Welche langfristigen Chancen sich durch die wiedergewonnene Lage im Herzen Deutschlands und Europas ergeben und wie sie zu nutzen sind, ist wohl die wichtigste Zukunftsfrage für die mehr als 1000jährige Stadt.

 

 

Eine Frage des Stils?
Historische Grundlagen der Baustilkunde

Beeindruckende Bauten aus den Epochen zwischen Romanik und Historismus prägen die historischen Quartiere unserer Städte und vieler Dörfer. Die Charakteristika der Baustile sind nicht allein Zeugnisse der Kunst- und Geistesgeschichte; in ihnen spiegeln sich oft auch technische, soziale und ökonomische Verhältnisse wider. Ziel des Seminars ist es, diese Einflüsse exemplarisch deutlich zu machen - ohne dabei zentrale kunsthistorische Aspekte des Themas zu übergehen. Die geistlichen und profanen Bauten der ehemalige Reichsstadt Goslar [oder anderswo] bieten die Möglichkeit, diesen Fragen „vor Ort" nachzugehen.